Gnade und Treue

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Ich habe einen neuen Lieblingsvers in der Bibel. Er ist kurz genug, dass ich ihn gerade noch merken kann. Und lang genug, dass ich schon seit Tagen über ihn nachdenken muss.

Während ich meinen Sohn gerade in dem gemütlichen Gästezimmer meiner Schwägerin stillte, blätterte ich durch die Bibel, die ich kurz davor im Regal fand. Meine hatte ich für den achttägigen Besuch bei der Familie meines Bruders in Beer Sheva nicht eingepackt. Für Leute wie mich machen diese kleinen Gideonbibeln auf den Hotelzimmern Sinn. Ich lese gerne in der Bibel, nur habe ich sie nicht immer griffbereit. Beim Packen meines Koffers denke ich gerne an alle unnötige Dinge. Drei unterschiedliche Fläschchen Nagellack (naja, meine Nichten haben sich gefreut) und eine Menge warme Klamotten für die kalten Abende, die es hier noch nicht gibt. Bibel? Fehlanzeige.

Also blätterte ich in der Bibel, hungrig nach Gottes Wort, wie mein Baby nach seiner Milch. Im Moment geht es mir da so wie meinem Babysohn. Sein Magen kann noch nicht viel Nahrung aufnehmen und meinem Kopf geht es gerade ähnlich. Ich weiß echt nicht, wie ich vor ein paar Monaten noch eine Doktorarbeit geschrieben habe. Meine Konzentration scheint dahin, das Schreiben fällt mir schwer und ich habe den Eindruck ich habe nichts mehr zu sagen. Andererseits gibt es doch viele Gedanken, die ich mit euch teilen möchte. Doch immer wenn ich versuche einen festzuhalten, wird er wieder von einem Bedürfnis meiner Kinder verdrängt und verfliegt, wie die zahlreichen Bäuerchen unseres Babys. Am Ende des Tages bin ich einfach erschöpft und dankbar, dass ich geschafft habe meinen Kindern Liebe und Nahrung zu geben. Ein großer Erfolg, wie ich finde. Für alles andere fehlt mir gerade die Kraft und vor allem die Weißheit wie ich die Zeit gut aufteilen kann.

Also mussten mein Baby und ich an diesem Nachmittag in Beer Sheva beide gestillt werden. Wir brauchten Nahrung, die uns satt macht. Die uns tröstet. Die uns stärkt.Und da blieb ich auf Psalm 26, Vers 3: „Deine Gnade habe ich stets vor Augen und deine Treue bestimmt meinen Weg“.

Das ist es, dachte ich mir. Mein Motto für meine jetzige Lebenssituation. Mit Säugling, auf Reisen und viel Neues, dass mich täglich erwartet. As simple as that: Gottes Gnade habe ich stets vor Augen und seine Treue bestimmt meinen Weg.

Ich will Gottes Gnade in den Fokus stellen, die mich an die Vergebung und Rettung erinnert. Gleichzeitig aber auch daran, dass ich mir gegenüber gnädig sein möchte. Etwas was mir nicht immer leicht fällt. Außerdem will ich besonders in diesen Monaten Jesus sehen, wie er mir treu Beiseite steht und meiner Familie und mir den Weg weist. Einen Weg, der nur mit ihm Sinn macht. Einen Weg, der von Gnade und Treue geprägt ist. Im Moment führt dieser Weg für uns gerade durch die interessanten Gegenden von Israel. Als Familie, mit drei Kindern und einem Homeschooling Alltag, der ganz neu für uns ist.

Daher soll dieser mein Leitvers sein:

Gottes Gnade habe ich stets vor Augen und seine Treue bestimmt meinen Weg.

Abschied und Aufbruch

Wir sitzen auf gepackten Koffern und organisieren noch unser Handgepäck. Ich schleppe ständig neue Bücher dazu. Es gibt so viele, die ich mitnehmen möchte. Kleidung ist da eher sekundär.

Viele liebe Menschen haben wir in den letzten Tagen gedrückt. Sogar von der Aldi-Verkäuferin haben wir uns verabschiedet und von Beate, der netten Mitarbeiterin aus der Bäckerei.

Ja und natürlich auch von den vielen Flüchtlingen, die wir in den letzten vier Jahren betreut haben. Sehr wahrscheinlich werden wir die meisten von ihnen nie wiedersehen, da sie demnächst rückgeführt werden.

Von meiner bald 93- Jährigen Oma habe ich gerade noch ein Foto gemacht. Zur Erinnerung. Man weiß ja nie…

In der Schule hat die Klasse unseres Großen leckere Obstspieße gegessen und Abschied gefeiert. Dieser fällt unserem Spatz nicht leicht. Anders als seine kleine Schwester, versteht er, dass es sich bei 7 Monaten doch um eine lange Zeit handelt. Denn erst müssen Herbst und Winter vergehen, Sankt Martin, Advent, Weihnachten und Ostern, bis wir wieder nach Hause fliegen.

Meine Mama hat uns heute meinen Lieblingskuchen gebacken. Mit vielen Zwetschgen und reichlich Sahne. Ich hätte weinen können. Aber interessanterweise bin ich doch sehr gefasst. Denn Israel fühlt sich vertraut an. Und dort sehe ich so viele aus meiner Familie und dem Freundeskreis wieder.

Unser Babysohn ist ein Traumbaby und macht uns das Packen leicht. Er schläft noch viel und lässt sich liebend gerne tragen. Manchmal denke ich, es liegt an diesem Wundertuch. Auch 2 Monate später haben wir keinen Kinderwagen und er liegt immer nah an unserem Herzen. Dazu kommt, dass Daniel Elternzeit hat und immer mithelfen kann. Letztendlich ist es aber Gnade. Unfassbar große Gnade und ich danke seinem Schöpfer täglich dafür, dass er uns so ein wundervolles Kind geschenkt hat.

Morgen geht’s los. Daniels Eltern kommen extra mit ihrem Bulli, um uns zum Flughafen zu bringen. Uns noch einmal zu sehen. Und mit den Kids am frühen Morgen zu spielen. Was für ein Geschenk!

Meine Freundin kommt gleich. Wir wollen uns noch einmal drücken. Der Kleine meldet sich und die Großen kommen gleich von ihrem Ausflug mit unseren lieben Freunden zurück. Ich muss weitermachen.

Aber ich will euch sagen, dass ich mich sehr freue, dass hier so viele Leser auf die Seite finden. Vielen Dank, dass ihr immer wieder vorbeischaut, mich ermutigt und hier mitlest, obwohl ich gerade so selten blogge.

Ich wünsche euch allen Gottes reichen Segen!!!!

Eure Lena