Die letzten Tage in Israel

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Jetzt fühlen wir uns langsam heimisch hier in unserer Wüstenstadt und schon geht es für uns in wenigen Tagen weiter. Wir haben uns daran gewöhnt, dass man stundenlang an israelischen Kassen ansteht, Höflichkeitsfloskeln in der Regel unbekannt sind und dass der Sommer hier endlos scheint.

Wir haben unsere Koffer aus der Abstellkammer rausgeholt und sie aus dem Tiefschlaf geweckt. Es wird Zeit aufzubrechen. Wir sind in Abreise-Stimmung und doch müssen wir unsere Zelte hier nicht wirklich abbrechen, da wir im Februar wieder zurückkehren wollen. Zurück in unsere Wohnung, den Sportvereinen und den langen Wartezeiten im Supermarkt.

Diese Pause wird mir Baklava-Süchtigen vielleicht ganz guttun. Wobei die Weihnachtsbäckerei in den Staaten mir mit Sicherheit auch schmecken wird. Apropos Weihnachten: Ich freue mich schon sehr auf die großen Türkränze mit roten XXL Schleifen, den beleuchteten Rentieren mit Schlitten auf den Verandas und den blinkenden Schneemännern, die in der Wärme Floridas nicht schmelzen werden. Weil hier in unserer Wüstenstadt Weihnachten -außer im russischen Laden- einfach nicht existiert, habe ich einiges nach zu holen.

Und so werden wir nun langsam unsere Sachen packen, den Kühlschrank leer essen und uns von Hummus und Wüstensand verabschieden. Wir hatten hier eine großartige Zeit mit unserer alten Blechkiste, den täglichen Mahlzeiten auf dem Balkon und den wunderbaren Momenten mit unseren Freunden und Familie. Eine kostbare Zeit, die Daniel und ich als großen Segen betrachten. Ein Geschenk Gottes. Segenregen.

Die intensive Zeit als Familie fernab von Freunden und Großfamilie ist uns hier sehr wertvoll geworden. Wir reden über unsere Visionen und Träume, lesen unzählige Bücher und verbringen den ganzen Tag mit unseren Kindern. Den ersten Monat empfanden wir als große Umstellung. Wir hatten keinen Alltag, keine Termine, keine Routine. Wir durften endlich reisen, ruhen und ausgiebig über Erziehung, Ehe und Elternschaft reden. Das war neu. Denn zurück in Deutschland waren wir so in unserem Alltag eingenommen, dass wir häufig funktionierten und abends einfach zu müde waren zu diskutieren. Hier in der Abgeschiedenheit aller Aufgabenbereiche setzen wir uns intensiv mit unserem Leben und unseren Lieben auseinander. Und das tut so gut. Andererseits hatten wir nicht nur viel Zeit zum Lieben, sondern auch zum Streiten. Rund um die Uhr zusammen zu sein, war für uns auch einfach eine neue Erfahrung. Keine Gemeindedienste, die ablenkten und keine Arbeitsstelle, Schule oder Kindergarten, wohin man für mehrere Stunden gehen würde. Als wir dann in unseren neuen Rhythmus rein gefunden haben, wurde es einfacher und schöner.

Nun sind wir so in Elternzeitlaune, dass ich mir gar nicht mehr vorstellen kann wie es anders gehen soll. Aber soweit denke ich jetzt lieber nicht. Ich nehme in der Regel alles Schritt für Schritt. Und das bedeutet: Wir genießen nun die letzten Tage hier. Den letzte Shabbat, das letzte Baklava und die letzten Tage in der Negevwüste.

Segensgrüße,

eure Lena

 

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Ein Wochenende in Eilat

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Und wenn wir gerade nicht Hebräisch lernen, Homeschoolen oder beim Bodenturnen sind, dann nutzen wir die Wochenenden oder freie Wochentage um zu verreisen.

Das Reisen genießen wir alle fünf. Rein in unsere alte Blechkiste- wobei alt ist untertrieben- und dadurch lernen wir noch nebenbei das beständige Gebet. Wir sind gerne unterwegs in Israel und die einzigartige Vielfalt dieses kleinen Landes überrascht uns immer wieder aufs Neue. Wie in einem nicht enden wollendem Wimmelbilderbuch gibt es unendlich viel zu entdecken und mit Kindern erleben wir das Land langsam und gleichzeitig sehr genau. Wir wissen nicht nur wo die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind, sondern kennen vor allem die tollsten Orte zum Picknicken, die besten Spielplätze und die leckersten Eisdielen. Und vor allem wissen wir wo die Toiletten aufzufinden sind.

Letztens waren wir an der Südspitze Israels. In Eilat. Umgeben von Wüste, Strand und Gebirge liegt diese Stadt am Golf von Akaba und offenbart sich nach stundenlanger Fahrt durch die karge Negevwüste als fruchtbare Oase. Daniel war motiviert beim Desert Halbmarathon an diesem Freitag mitzulaufen, obwohl es nicht sicher schien ob er mitlaufen sollte. Denn muskuläre Probleme machten ihn seit Tagen zu schaffen.

Doch die beste Therapie schien tatsächlich der Lauf zu sein. Mein Liebster kam unter die Top 30 von 700 Halbmarathonis, was eine beachtliche Leistung ist. Ich bin ja schon außer Atem, wenn ich unserer Maus beim Fangen spielen hinterherlaufe. Kein Wunder also, dass die Kinder und ich ihn laut und stolz anfeuerten.  Hab ich schon erwähnt, dass er unter die besten 30 kam. Ha! Mein Mann.

Nach dem Lauf fuhren wir an einen einsamen Strand. Wir trafen uns mit der Familie meiner Freundin, mit der ich seit meinem 16. Lebensjahr befreundet bin. Sie ist eine unglaublich große Inspiration für mich und wir schätzen unsere besondere Freundschaft sehr. Während wir also auf den warmen Steinen am Ufer des Roten Meeres über Waldorfpädagogik, Siedlungspolitik und der Geburt unseres Babys quatschten, rief sie plötzlich: „Da. Ein Delfin“. Ehe ich mich versah, sprangen Daniel und die Kinder auf und liefen schnurstracks ins super kalte Wasser, nur um Sekunden später von einem anmutigen Delfin umgeben zu sein. Abenteuer pur. Ein Traum. Und für dieses unvergessliche Erlebnis haben wir keinen Cent bezahlt. Wir waren an einem öffentlichen Strand und wurden einfach von Gott mit dieser Begegnung beschenkt. Kategorie: Segenregen. Meine Kinder schliefen an diesem Abend mit einem Engelslächeln ein.

Am nächsten Tag rief uns die Wüste und wir fuhren mit unserer Blechkiste, die wir liebevoll „Safta Krafta“ getauft haben, Kilometer weit in die Wildnis. Ich war sehr erleichtert, dass unsere Freunde mit dabei waren, denn ich befürchtete es würde die letzte Fahrt für unser Auto werden. Ich rechnete schon heimlich aus für wie lange unsere Wasservorräte ausreichen würden. Doch dieses Fahrzeug scheint unkaputtbar zu sein.

In der Wüste lies ich mich dann auf die heilende Stille ein. Hier waren wir. Gemeinsam mit unseren Freunden. Vom Gipfel eines Berges schaute uns ein Steinbock zu, während wir Pitabrote über dem Feuer buken und sie später in Hummus und Auberginen- Tahini Paste tunkten. Die großen Kinder suchten schöne Steine, während wir Kaffee und Tee tranken und so lange plauderten, dass es langsam schon dämmerte. Zwei erschöpfte Wanderer, die gerade den Israel Trail liefen, schlugen ihre Zelte auf und wir machten uns wieder auf den Heimweg.

Es tut gut in der Wüste zu sein und den Frieden einzuatmen, Gottes Stimme zu hören und sich an seiner Schöpfung zu erfreuen. Auch in unsere Wüstenstadt gehen wir häufig außerhalb des Ortes spazieren. In dieser Einsamkeit tanken wir auf und hören genauer hin. Auf das, was uns gerade bewegt. Was uns in der Geschäftigkeit unseres Alltags nicht bewusst war und sich plötzlich bemerkbar macht. Hier haben wir die Zeit und die Ruhe dafür. Und die nehmen wir uns.

Segensgrüße,

Lena

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Mein neuer Blogname

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Ich denke gerne an diesen besonderen Sommertag zurück.

Es regnete an einem warmen Nachmittag und meine Mutter rief ganz aufgeregt: „Los, wir laufen nach draußen!“ Da hüpften wir Kinder in unseren Shorts und Shirts und lachten ausgelassen auf der Straße. Wir breiteten unsere Arme aus, sprangen in die Pfützen und ließen die unendlichen Wassertropfen auf uns prasseln.

Immer wieder fühle ich diesen warmen Sommerregen aus meiner Kindheit noch auf meiner Haut. Immer dann, wenn ich ganz deutlich Gottes zahlreichen Segnungen in meinem Familienalltag erlebe. Dann denke ich daran, wie Gottes Segen auf mich und meine Lieben regnet und wir sie mit erhobenen Händen empfangen.

Und ich bekomme Gänsehaut.

In den letzten Jahren war jesusnatuerlich der Name meines Blogs und ich habe beschloßen eine Namensänderung vorzunehmen. Ich hoffe, dass ihr weiterhin auf SEGENREGEN Freude habt mitzulesen und euch inspirieren zu lassen. Denn bei Segenregen soll es um diese himmlisch herrlichen Sommerregen-Momente gehen. Ich will in meinem Alltag die Geschenke vom Himmel erkennen und sie mit euch teilen. Egal ob ich hier Erfahrungen, DIYS, Rezepte oder Inputs teile, mein Blog soll nach oben zeigen. Zu dem Schöpfer des Universums, der den Segenregen erst möglich macht.

Ein ganz normaler Wochentag

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Ihr Lieben,

ich habe dieses neue Bildprogramm und endlich meine langersehnte Kamera geschenkt bekommen. Leider fehlt mir aber noch die Erfahrung mit Beidem und ich versuche mit der Zeit meine Bildsprache zu finden. Das wird spannend und ich freue mich schon darauf. Allerdings bedeutet es, dass ihr bitte ein wenig nachsichtig mit mir sein sollt :)

Heute möchte ich euch in einen ganz normalen Tagesablauf von uns hier in Israel mitnehmen. Wenn wir mal nicht auf Reisen sind, befinden wir uns in unserer Wohnung in der kleinen Wüstenstadt.

Der Morgen beginnt für uns in der Regel zwischen 6.00 und 6.30 Uhr. Bis gestern noch haben wir jede Mahlzeit auf dem Balkon genossen, doch nun ist es kühler geworden und gerade so früh am Morgen wahrscheinlich zu frisch. Wir lesen gerne einen Abschnitt aus der Bibel bei einer Tasse Kaffee und starten gemütlich in den Tag.

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Um 8.00 Uhr beginnt der Unterricht für unseren Spatz und meistens ist auch unsere Maus dabei. Während Mathe, Deutsch und Englisch gepauckt wird, macht sie ein paar Schreib- und Rechenübungen oder malt und bastelt. Der Klassenraum ist in der Regel der Balkon und Daniel unterrichtet die beiden bis etwa 11 Uhr.

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Vormittags kümmere ich mich um unser Bärchen, stille ihn, kuschel mit ihm, lege ihn ins Bett und mache das Mittagessen. Manchmal mache ich Gymnastikübungen, gehe joggen, einkaufen oder lese ein interessantes Buch.

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Während Daniel unseren Sohn beim Lernen unterstützt, macht er auch die Wäsche oder wischt den Balkon, der durch den Wüstensand regelmäßig sauber gemacht werden muss.

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Wir genießen den Ausblick aus unserem Balkon sehr. Unsere Wohnung ist wirklich perfekt und wir haben hier genügend Platz für uns 5. Was sind wir Gott dankbar für dieses Geschenk.

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Nach dem warmen Essen machen wir eine Mittagspause und die Kinder hören eine CD (mittlerweile auch Weihnachtsgeschichten ;) ) oder schauen Die Sendung mit der Maus.

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Wir haben sehr wenig Spielzeug mitgenommen und so bauen die Kinder häufig Höhlen und tragen dafür alle Möbelstücke zusammen. Aber sie spielen auch gerne mit Lego, den Karten oder Kuscheltieren.

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Nachmittags gehen wir dann meistens auf den Spielplatz, zum Markt oder ins Geschäft. Und zwei Mal die Woche haben die Kinder ihre Sportvereine. Der Spatz geht zum Fußball und die Maus zum Bodentraining. Obwohl sie die hebräische Sprache nicht sprechen, kommen sie im Training gut zurecht und haben meistens Spaß dabei.

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Um 19. 00 Uhr gehen dann die Kinder in der Regel ins Bett, wobei unser Babybärchen da noch keinen festen Rythmus hat. Häufig wacht er dann noch mal auf, um etwas Exklusivzeit mit uns zu haben.

Daniel und ich lesen hier in Israel wieder sehr viel mehr und tauschen uns in den Abendstunden häufig darüber aus, genießen einen Tee auf dem Balkon oder sind damit beschäftigt unseren Kleinsten in den Schlaf zu tragen.

So in etwa verläuft ein typischer Wochentag während unserer Elternzeit in Israel ab. Kaum zu glauben, dass es in 2 Wochen für uns schon weiter in die USA geht.

Bis dahin,

eure Lena

Elternzeit in Israel

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Es ist schwierig das Konzept der Elternzeit meiner israelischen Freundin zu erklären. Ich erkläre ihr, dass Daniel 10 Monate bezahlten „Urlaub“ hat, um für die Familie da zu sein. Für sie ist das unbegreiflich. Denn israelische Väter bleiben nicht länger als 1-3 Wochen nach der Geburt ihres Kindes zu Hause.

Als ich dann noch erwähne, wieviel Kindergeld wir bekommen, ist sie sichtlich überrascht. Hier ist es anders. Das monatliche Kindergeld liegt etwa bei 37 Euro (eine große Pamperspackung kostet hier so viel). Und bezahlten Urlaub kriegen Frauen lediglich 15 Wochen rund um die Geburt. Ich erwähne Frauen. Den Vätern steht diese Regelung nicht zu. Verrückterweise kriegen die Israelis aber mehr Kinder als wir in Deutschland. Im Durchschnitt bekommt eine israelische Frau 3,1 Kinder, eine deutsche Frau hingegen 1,5. Israel hat damit die höchste Geburtenrate in der westlichen Welt. Und diese Statistik macht sich im Alltag sehr bemerkbar. Überall Kinder. Diese werden unheimlich geliebt und gewertschätzt. Und nicht nur von den eigenen Eltern.

Früh kommen die Babys in die Krippe oder in eine andere Form der Betreuung. Das ist ganz normal und selbstverständlich. Den Begriff „Rabenmutter“ gibt es hier nicht. Warum auch. Die israelische Mutterrolle ist ganz entspannt. Auf den Spielplätzen, die erst nach der Betreuung  – also gegen 16 Uhr – besucht werden, laufen Kids mit Chipstüten durch die Gegend und machen ihre Streitereien untereinander aus, während die Eltern miteinander quatschen oder ihre Smartphones bedienen.

Familie und Beruf werden irgendwie gut vereinbart, obwohl die staatliche Unterstützung wirklich nicht groß ist. Dazu kommt noch, dass die Lebenserhaltungskosten sehr viel höher sind als bei uns, während die Löhne und Gehälter vergleichsweise niedrig sind. Am besten sind hier die Frutarier dran ;) . Bei den Preisen für Milch- und Fleischprodukte wird man auf jeden Fall freiwillig Veganer. Wir bezahlen hier für die Lebensmittel mindestens doppelt so viel und würden wir nicht in der Wohnung meiner Eltern leben, würden wir das ganze Geld nur für die Miete ausgeben müssen. Die Mietpreise sind in Israel einfach übertrieben hoch.

Mit dem Wissen, das Elternzeit überhaupt nicht selbstverständlich ist, genießen wir dieses Zeitfester umso mehr und sehen es als großes Geschenk. Obwohl Daniel schon hin und wieder scherzt, ob man die Elternzeit nicht auch verkürzen kann 😉

Elternzeit ist eben kein Urlaub. Vielmehr reden wir hier von einer spannenden, lehrreichen und für uns auch sehr schönen Zeit. Und da wir sie mit vielen Reisen verbinden, haben wir viel Abwechslung. Daniel und ich sind die ganze Zeit für unsere Kids da und ich bin froh, dass keiner von uns diese Aufgabe alleine übernehmen muss. So hat jeder von uns mal Zeit zum Joggen, Lesen oder eine Mittagspause.

Und diese Pausen sind mir wichtig. Denn es ist ja nicht so, dass ich hier in meinem Familienalltag nur Kaffee trinken und die Beine hochlegen würde.

Ne, ich lackiere mir auch stündlich die Nägel, während die Kinder friedlich den ganzen Tag miteinander spielen und das Baby immer 4 Stunden am Stück schläft. 😉

Und ihr so? Wer von euch ist auch gerade in Elternzeit?