Elternzeit in Israel

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Es ist schwierig das Konzept der Elternzeit meiner israelischen Freundin zu erklären. Ich erkläre ihr, dass Daniel 10 Monate bezahlten „Urlaub“ hat, um für die Familie da zu sein. Für sie ist das unbegreiflich. Denn israelische Väter bleiben nicht länger als 1-3 Wochen nach der Geburt ihres Kindes zu Hause.

Als ich dann noch erwähne, wieviel Kindergeld wir bekommen, ist sie sichtlich überrascht. Hier ist es anders. Das monatliche Kindergeld liegt etwa bei 37 Euro (eine große Pamperspackung kostet hier so viel). Und bezahlten Urlaub kriegen Frauen lediglich 15 Wochen rund um die Geburt. Ich erwähne Frauen. Den Vätern steht diese Regelung nicht zu. Verrückterweise kriegen die Israelis aber mehr Kinder als wir in Deutschland. Im Durchschnitt bekommt eine israelische Frau 3,1 Kinder, eine deutsche Frau hingegen 1,5. Israel hat damit die höchste Geburtenrate in der westlichen Welt. Und diese Statistik macht sich im Alltag sehr bemerkbar. Überall Kinder. Diese werden unheimlich geliebt und gewertschätzt. Und nicht nur von den eigenen Eltern.

Früh kommen die Babys in die Krippe oder in eine andere Form der Betreuung. Das ist ganz normal und selbstverständlich. Den Begriff „Rabenmutter“ gibt es hier nicht. Warum auch. Die israelische Mutterrolle ist ganz entspannt. Auf den Spielplätzen, die erst nach der Betreuung  – also gegen 16 Uhr – besucht werden, laufen Kids mit Chipstüten durch die Gegend und machen ihre Streitereien untereinander aus, während die Eltern miteinander quatschen oder ihre Smartphones bedienen.

Familie und Beruf werden irgendwie gut vereinbart, obwohl die staatliche Unterstützung wirklich nicht groß ist. Dazu kommt noch, dass die Lebenserhaltungskosten sehr viel höher sind als bei uns, während die Löhne und Gehälter vergleichsweise niedrig sind. Am besten sind hier die Frutarier dran ;) . Bei den Preisen für Milch- und Fleischprodukte wird man auf jeden Fall freiwillig Veganer. Wir bezahlen hier für die Lebensmittel mindestens doppelt so viel und würden wir nicht in der Wohnung meiner Eltern leben, würden wir das ganze Geld nur für die Miete ausgeben müssen. Die Mietpreise sind in Israel einfach übertrieben hoch.

Mit dem Wissen, das Elternzeit überhaupt nicht selbstverständlich ist, genießen wir dieses Zeitfester umso mehr und sehen es als großes Geschenk. Obwohl Daniel schon hin und wieder scherzt, ob man die Elternzeit nicht auch verkürzen kann 😉

Elternzeit ist eben kein Urlaub. Vielmehr reden wir hier von einer spannenden, lehrreichen und für uns auch sehr schönen Zeit. Und da wir sie mit vielen Reisen verbinden, haben wir viel Abwechslung. Daniel und ich sind die ganze Zeit für unsere Kids da und ich bin froh, dass keiner von uns diese Aufgabe alleine übernehmen muss. So hat jeder von uns mal Zeit zum Joggen, Lesen oder eine Mittagspause.

Und diese Pausen sind mir wichtig. Denn es ist ja nicht so, dass ich hier in meinem Familienalltag nur Kaffee trinken und die Beine hochlegen würde.

Ne, ich lackiere mir auch stündlich die Nägel, während die Kinder friedlich den ganzen Tag miteinander spielen und das Baby immer 4 Stunden am Stück schläft. 😉

Und ihr so? Wer von euch ist auch gerade in Elternzeit?

Über meinen Mamaweg und meinen Hirten

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Es ist 20.30 Uhr und alle drei Kinder schlafen. Entweder ich träume gerade, weil ich gerade selber schlafwandel oder wir reden hier von einem Wunder.

Tatsächlich bin ich aber mittelmäßig wach und haue hier gerade in die Tasten (mit einem Finger versteht sich). Keine Ahnung für wie lange. Auf jeden Fall nutze ich die seltene Stille im Haus.

Daniel ist mit seinen Freunden Gokart fahren und anschließend wollen sie noch Burger essen. Er weiß, dass das Treffen in dieser Runde in diesem Jahr nicht noch einmal stattfinden wird. In weniger als 3 Wochen steigen wir in den Flieger.

Einerseits ist bei uns gerade die Zeit der ersten Male. Das erste Lächeln, das erste Bad, ein erster fünf-Stunden-ununterbrochener Schlaf (ein Wellnesserlebnis der Extra-Klasse).

Und dann ist hier auch gleichzeitig die Zeit der letzten Male. Für die kommenden 7 Monate. Der letzte Besuch bei den Großeltern. Das letzte Frühstück mit den Mädels. Die letzte Verabredung mit dem Schulfreund.

Meine Emotionen, ihr Lieben! Das reinste Gefühlschaos, sag ich euch. Und dann steht am Sonntag noch der 7. Geburtstag unseres Sohnes an. Der 7.!!! Ich bin doch erst 20. Wie kann das sein?

Er wünscht sich ein Rennauto-Geburtstag und insgeheim denke ich mir „Das passt ja gut. Denn die letzten sieben Jahre sind an mir wie ein Ferrari vorbei gerast“. Verzweifelt rufe ich „Halt! Boxenstopp“, nur damit meine Stimme im Getöse und der Geschwindigkeit des Alltags unter geht. Das Lebensrad dreht sich rasant schnell. Auch wenn ich erstmal das Gefühl habe mit den Kindern würde ich mich im Schneckentempo bewegen.

Der große Spatz machte mich zur Mutter. Mit seiner Geburt begann ein neuer Weg für mich, der sich überwältigend und richtig anfühlte. Mal war er glatt und asphaltiert, mal steinig und schwer. Aber um nichts in der Welt würde ich es anders haben wollen. Auch wenn nicht jeder Moment meines Mamaseins in der Realität romantisch ist (ich sag nur Schlafentzug und Milchstau) und ich auch mal neben der Spur bin (ich sag nur Ungeduld und Unfrieden) –  weiß ich dennoch auf jeder Strecke: Ich bin nicht allein. Ich kann das. Mein Hirte ist da. Er führt mich zu frischen Ufern. Er zeigt mir den richtigen Weg, um seines Namen Willen.

Darüber hinaus überwiegen einfach die coolen Momente mit den Kids. Wenn wir kuscheln, Lego spielen und picknicken gehen, dann denke ich mir „Wahnsinn, wieviel Spaß Familie macht“. Und ich kann´s nicht hören, wenn man ständig von Trotzphasen spricht und von „wenn-sie-größer-werden-wird-alles-leichter“-Sprüchen. Manchmal frage ich mich ja wer die sogenannte „Trotzphase“ hat. Die Eltern oder das Kind? Wenn Kinder ihre Eltern analysieren könnten, kämen sicherlich „Mediensuchtphase, Kaufrauschphase oder Streitphase“ zu Wort. Und dann wäre es ja noch eine Erleichterung, wenn die Kleinen nur von einer Phase und keinem Dauerzustand ihrer Eltern reden würden.

Jeder Moment meines Mamawegs ist ein Moment der Gnade. Und nur Gnade allein. Dass ich in zwei Tagen einen siebenjährigen Sohn habe, der mich mit seinem Lachen ansteckt und dabei selber Schluckauf bekommt, der sich entschuldigen kann und mit seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn die Welt (zumindest meine) verändert, der als Frühaufsteher mich die schönsten Sonnenaufgänge erleben lässt, ist einfach mehr als Gnade. Es ist Gnade über Gnade.

Und wenn heute der Slogan „Enjoy the little things“ angesagt ist, dann will ich sagen, dass er nicht nur auf den Lifestyle bezogen ist, das Nippen am Kaffeebecher oder das entspannte Blättern in der Vogue, sondern vor allem im Hinblick auf jeden noch so kleinen Moment mit meinen Liebsten. Enjoy the little moments with your loved ones, Lena!

Denn diese kleinen Alltagsmomente sind tatsächlich ganz große Wundermomenten. Kostbare Erinnerungen, die ich noch lange in meinem Herzen tragen werde. Momente fürs Einmachglas.

Mein Mamaweg hat meine Persönlichkeit komplett verändert. Und das Gute ist er führt mich immer wieder dazu mich zu hinterfragen. Nicht zu kritisieren und zu entmutigen (auch wenn das der Feind will), sondern zu fördern und zu stärken. Meine Perspektive und meine Prioritäten neu zu fokussieren. Und das Ziel im Blick zu haben.

Ich will nicht rückblickend sagen „Ach hätte ich doch häufiger mit ihm Fußball gespielt. Hätte ich mich doch häufiger von ihr schminken lassen (meine Tochter liebt das!). Hätte ich doch häufiger vom Handy weggeschaut und mein Kind angeschaut.“ Ich will jetzt schon jeden Moment mit meinen Kids genießen, wertschätzen und Gott vertrauen, dass er uns führt. Durch Höhen und Tiefen. Heute und Morgen. Einfach immer.

Dem Geburtstagskind geben wir auf seiner Rennautoparty diesen Psalm mit. Und ich hoffe, ich kann euch auch damit ermutigen. Denn er hat keine Altersbeschränkung. Und gilt für jede Situation deines Lebens:

Der Herr ist Dein Hirte, Du hast alles, was Du brauchst.

Er lässt Dich in grünen Tälern ausruhen, er führt dich zum frischen Wasser.

Er gibt Dir Kraft. Er zeigt Dir den richtigen Weg um seines Namens willen.

Auch wenn Du durch das dunkle Tal des Todes gehst, fürchte Dich nicht, denn ER ist an Deiner Seite. Sein Stecken und Stab schützen und trösten Dich.

ER deckt Dir einen Tisch vor den Augen Deiner Feinde. ER nimmt Dich als Gast auf und salbt Dein Haupt mit Öl. ER überschüttet Dich mit Segen.

Seine Güte und Gnade begleiten Dich alle Tage Deines Lebens, und Du wirst für immer im Hause des Herrn wohnen.

Nach Psalm 23

Unsere Abendroutine mit 2 Kindern

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Ihr Lieben,

ihr habt mich mit euren zahlreichen Kommentaren zur Verlosung so unglaublich ermutigt und inspiriert. Wie ich verstanden habe sind gerade die Themen Kindererziehung, persönlicher Glaube im Mamaalltag, Ernährung und Lebensstil für viele von euch besonders interessant.

Ich muss sagen, dass ich bisher ungern über Kindererziehung geschrieben habe. Das liegt vor allem daran, dass jede Familie hier ihren eigenen Weg finden muss und ich nicht  „Verbesserungsvorschläge“ geben wollte. Dafür habe ich viel zu viel Respekt vor dieser Thematik und bin als Mutter selber jeden Tag damit konfrontiert Erziehungsweisen zu reflektieren, zu überdenken und sie immer den Bedürfnissen meiner Kids entsprechend anzupassen. Aber nachdem ich eure Themenvorschläge gelesen habe, fühle ich mich inspiriert über ein paar Bereiche der Kindererziehung zu schreiben und unsere Erfahrungen ein wenig zu teilen. Um die Privatsphäre meiner Kids zu schützen, werde ich nicht groß über Persönliches schreiben. Aber generelle Themen will ich gerne anschneiden.

Daher habe ich mich entschieden heute mit euch unsere Abendroutine zu teilen. Für uns als Familie sind gewisse Strukturen und Abläufe im Alltag sehr bereichernd. Das kann sich spießig anhören aber aus der Praxis wissen wir: unser Familienfrieden hängt stark davon ab. Der Rhythmus bringt den Kindern Stabilität und Sicherheit und Daniel und ich sind ein eingespieltes Team, das nicht immer wieder neue Rollenverteilungen treffen muss, die zu Konflikten führen könnten.

Gerade am Abend, wenn wir alle schon müde sind und ich häufig am Ende meiner Kräfte bin, ist eine Abendroutine goldwert. Die Kids wissen was sie erwartet, können daher konkret mithelfen und fühlen sich nicht überfordert. Gerade im Schul- und Kindergartenalltag gibt folgender Ablauf unseren Kids eine gute Orientierung am Abend.

  1. Abendessen gegen 17.45 Uhr und 18.00 Uhr

Meist ist das Abendessen die einzige gemeinsame Mahlzeit mit der ganzen Familie. Im Hintergrund läuft kein TV (weil wir keinen haben und wäre dem doch so, würde ich ihn unbedingt zu dieser wertvollen Zeit ausschalten) und wir sitzen zusammen am Tisch und genießen diese besondere Familienzeit für Austausch und Gemeinschaft.

  1. Abendpflege

Daniel und ich wechseln uns immer ab, wer die Küche macht oder die Kinder zum Schlafen gehen vorbereitet. Meist finden unsere zahlreichen Abendveranstaltungen wie Hauskreis, Moms in Prayer, Bandprobe, Flüchtlingskreis- oder Leitungskreissitzung nach 19.30 Uhr statt, so dass wir meistens beide am frühen Abend zu Hause mithelfen können.

Nach dem Essen werden die Zähne geputzt und die Kinder gerade im Sommer häufig gebadet oder geduscht. Die Schlafsachen werden angezogen und das Kinderzimmer noch kurz aufgeräumt.

  1. Vorbereitung für den nächsten Tag

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Der Große packt seinen Schulranzen und stellt ihn in den Flur und gemeinsam mit den Kindern wird entschieden, was sie am nächsten Tag anziehen. Diese Kleidungsstücke legen wir dann auf den Maltisch im Kinderzimmer und am nächsten Morgen können die Kids sich selbstständig nach dem Aufstehen anziehen und es gibt keine unnötigen Diskussionen um die Kleidungswahl. Im Flur liegen Jacke, Hut etc. für Kindergarten und Schule auf 2 Stühlchen bereit.

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  1. Stille Zeit

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Bevor die Nachtruhe beginnt, setzen wir uns (also entweder Daniel oder ich und manchmal auch zusammen) ins Wohnzimmer auf die Couch und lesen mit den Kids aus der Kinderbibel. Unser Sohn liest immer die Überschrift vor und die Tochter sagt welche Zahl auf der Seite steht. Nach der kurzen Geschichte beantworten die Kinder noch abwechselnd drei Fragen zum Text und wir beenden diese Zeit mit Gebet. Jeder dankt Gott  für den Tag und was er besonders schön fand (gestern war es bei unserer Maus der Nagellack, den ich ihr drauf getan habe 😉 ) und sie beten für ihr Baby-Brüderchen (dass er auch eine gute Nacht hat 😉 ). Manchmal will unsere Tochter lieber ein Gebet nachsprechen und unser Sohn ein Gebet singen, anstatt es zu sprechen. Da gibt es so viele Möglichkeiten und ich finde diesen individuellen Zugang auch sehr schön.

Seit wir an Weihnachten diese tolle Kinderbibel  „Entdecke die Bibel“ geschenkt bekommen haben (anfangs war ich etwas unsicher, da mir das Cover der Bibel doch ziemlich fromm erscheint und die Illustrationen hin und wieder etwas zu „deutlich“ sind), lesen wir fast täglich daraus und die Kids lieben das Bibellesen sehr! Das freut mich so sehr, denn letztes Jahr waren sie nicht so interessiert, weil sie auch schon alle bekannten Geschichten, wie David gegen Goliath und die Arche Noah auswendig kannten. Doch in dieser Bibel lesen sie zum ersten Mal von der Frau am Brunnen, über die Briefe des Paulus und die Rückkehr der Bundeslade. Die Erzählungen sind unglaublich bibeltreu und in der Regel kindergerecht beschrieben. Unsere Kids lieben das Alte und Neue Testament dieser Kinderbibel sehr und entdecken so viele neue Geschichten darin.

Letztes Jahr mochten sie gerne das Andachtsbuch Lieber Gott, sei du mein Freund!. Jeden Abend lasen wir eine Geschichte daraus und die Kids sprachen das vorgeschlagene Gebet am Ende nach. Es gab für jeden Tag eine neue Geschichte mit einem wertvollen Gedanken.

  1. Gute Nacht gegen 19.15 Uhr

Nach dem Abendgebet geht es dann für die Kinder ins Bett. Sie schlafen in der Regel in ihren Betten ein und wachen am nächsten Morgen bei uns im Ehebett auf. Also haben wir quasi ein Familienbett und es stört uns nicht im Geringsten. Seit Kurzem will der Große in seinem Bett noch etwas lesen und wir erlauben ihn das gerne. Die Erstleser-Heftchen von Lotta und Luis findet er ganz toll. Unsere Tochter wollte bis letztes Jahr noch täglich und jetzt immer weniger, dass wir ihre Hand beim Einschlafen halten. Das haben wir auch immer abwechselnd gemacht und dabei leise Lobpreislieder gesungen.

Unsere Abendroutine ist für uns als Familie unter der Woche sehr hilfreich. An den Wochenenden sind wir da aber flexibler und spontaner. Für uns klappt das so ganz gut und ich kann es nur weiter empfehlen.

Wenn es bei uns am Abend mal stressiger zugeht, sind hier ein paar bewährte Praxistipps:

  • Sind wir alle etwas aufgedreht, flüstern wir am Tisch.
  • Zum Abendessen gibt es in der Regel keine süßen Speisen auf dem Tisch, da sonst der Körper zu sehr aufgedreht wird (Blutzuckerspiegel!).
  • Rückenmassagen entspannen unsere Kids total, wenn sie am Abend nicht zur Ruhe finden.
  • Normalerweise putzen die Kids ihre Zähne gleichzeitig und ziehen ihre Schlafanzüge auch zur selben Zeit an. Wenn sie aber aufgedreht sind, machen sie diese Schritte abwechselnd.
  • Wenn der Tag recht voll war, erzählt einer von uns- meist Daniel- während die Kinder in ihren Betten liegen noch eine ausgedachte Gute Nacht Geschichte und reflektiert dabei die Ereignisse des Tages.

So und jetzt würde ich gerne von euch wissen, wie ihr über Routinen im Familienalltag denkt. Welche Tipps habt ihr für die frühen Abendstunden?

Was mich natürlich interessiert, wäre die Frage: Wie sieht eine Routine mit zwei Kindern und Säugling aus? Hat da jemand Erfahrungen, von denen ich profitieren kann?

Was ich meinen Kindern häufiger sagen möchte

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– Diese Idee ist super! Lass uns das machen!

– Wofür kann ich beten, mein Kind?

– Was wünscht du dir?

– Soll ich dir was vorlesen?

– Du bist was ganz besonderes!

– Du brauchst dich nicht zu beeilen!

– Gott hat dich wunderbar geschaffen!

– Ich bin so froh, dass ich dich habe!

– Sollen wir Papi überraschen und Pancakes machen?

– Ja, lass uns noch was zusammen spielen!

– Mensch, bist du hübsch!

– Lass uns in den Wald gehen und die Tiere besuchen.

– Papi und ich haben dich so lieb.

– Sollen wir Gott ein Lied singen?

– Komm, wir bauen eine Bude und picknicken darin!

– Was hat dir heute Spaß gemacht? Was hat dich traurig gemacht?

– Schau mal, hat Gott das nicht toll gemacht?

– Ich hab deinen Papi so lieb!

– Es tut mir leid! Vergibst du mir?

– Sollen wir heute ausgehen? Du darfst entscheiden, was wir anziehen!

– Welches Essen wollen wir gemeinsam kochen?

– Können wir etwas abgeben und es mit den anderen Kindern teilen?

– Lass uns eine Party mit den Kuscheltieren machen. Hat der Teddy nicht heute Geburtstag?

– Sollen wir uns verkleiden und die Kinderschminke benutzen?

– Wen wollen wir demnächst einladen?

– Sollen wir zu der Feiert- Jesus CD tanzen?

 

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Verplante Kindheit?!

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„Also, mein Sohn hat jetzt sein Seepferdchen gemacht. Außerdem geht er ja noch reiten und spielt ja im Fußballverein. Das macht ihm alles voll Spaß und fördert natürlich nebenbei seine Motorik“, erzählt mir eine Mutti ganz stolz und fügt noch schnell hinzu: „Und für die musikalische Frühförderung, geht er noch in die Musikschule.“

Auf dem Heimweg lass ich das Gespräch noch mal Revue passieren. Wahnsinn, denke ich mir, wie voll die Tage dieses Kindergartenkindes sind. Mit seinen 5 Jahren belegt das Kind mehr Kurse als ich es in meinem ganzen Leben getan habe. Kurz bekomme ich einen Anflug von Panik. Vielleicht reichen der Fußball und der Kinderchor für unseren Sohn nicht aus. Soll er vielleicht noch zum Judo und ist es jetzt nicht an der Zeit ein Instrument zu erlernen? Und warum in aller Welt haben alle Kinder um ihn herum schon das Seepferdchen und unser Sohn noch nicht. Und was ist mit unserer Tochter? Wieso geht sie nicht schon zum Ballet oder zum Turnen?

Es müssen erst einmal paar Minuten vergehen, bis ich wieder klar denken kann. Für eine kurze Zeit habe ich nämlich vergessen, dass wir doch ganz bewusst nicht zu viele Termine für uns und unsere Kinder planen. Mein Liebster und ich wollen nämlich, dass unsere Kids vor allem ganz viel freie Zeit für sich und ihre Spielideen haben. Denn wenn ihnen danach ist, sollen sie in ihrer gewohnten Umgebung:

– malen, toben oder sich verkleiden können.

– in der gemütlichen Kuschelecke liegen und verträumt in Büchern blättern und dabei in andere Welten tauchen.

– ihre Lieblingsmusik hören und tanzend mit schreien singen.

– sich auch Langweilen können. Denn dadurch entstehen die interessantesten und kreativsten Dinge.

All das sind Phasen oder Momente, die so extrem wichtig und bereichernd für ihre Persönlichkeitsentwicklung sind. Ohne Leistungsdruck und Vorgaben können sie sich auf diese Weise individuell entfalten und ihre Kindheit genießen.

Je älter meine Kids werden, desto deutlicher merke ich wie schnell der Terminkalender voll werden kann und sich so etwas wie Freizeitstress entwickeln kann. Gut gemeinte Aktivitäten am laufenden Band. Eigentlich sollen sie Spaß machen aber irgendwie sind danach alle erschöpft. Die Eltern fühlen sich wie gestresste Taxifahrer und die Kids gefordert, anstatt liebevoll gefördert.

Ich weiß der Alltag hat es in sich. Und der Gesellschaftsdruck ist hoch. Und Vereine sind was Tolles. Aber irgendwie wünsche ich mir, dass unsere Familie immer wieder das Hamsterrad bremst und inne hält. Ich will nämlich, dass meine Kiddis ihre Umwelt erkunden und genießen können ohne von einer Aktion zu anderen, von einer Insel zur anderen transportiert zu werden. Daher wollen wir als Eltern die Termine unserer Familie hinterfragen und schauen, ob sie uns allen gut tun.

– Bereichern sie uns oder fühlen wir uns dabei gehetzt?

– Lassen sie uns ermüden, so dass wir als Familie gelebt werden anstatt zu leben?

– Nehmen wir uns die Zeit füreinander und unsere Mitmenschen, um einander zu dienen und Jesus groß zu machen? Oder haben wir vor lauter Termine keine Zeit für uns und für diejenigen, die uns brauchen?