Segen und segnen

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Ich fühle mich innerlich zerrissen.

Ich will meine Segnungen genießen und dankbar für sie sein. Ja, sie sind nicht selbst verständlich und riesen Geschenke. Doch irgendwie beschäftigen mich diese Gedanken immer wieder:

– warum um alles in der Welt, kann ich Blumen kaufen wenn andere heute kein Geld für Nahrungsmitteln haben

– warum kann ich meine Wohnung schön dekorieren, wenn andere noch nicht mal ein Dach über dem Kopf haben

– warum kann ich studieren, wenn anderen Frauen Bildung verwehrt wird

– warum konnte ich heute ausgiebig duschen, wenn anderen das Trinkwasser fehlt

– warum kann ich die Sonne heute genießen, während andere im Bunker Schutz vor Raketen suchen

– Warum kann ich im Café einen Cappuccino genießen, während andere heute für einen Hungerlohn unter schlimmsten Arbeitsbedingungen ihr Brot verdienen.

Sind es alles einfach gegebene Umstände, die ich hinnehmen soll? Die ich nicht weiter hinterfragen soll, weil sie keine schönen Themen sind? Sollte ich einfach weniger Nachrichten lesen und mehr im Hier und Jetzt leben?

Mir fehlen Antworten. So sehr ich versuche diese Fragen aus meinem Alltag auszublenden, umso mehr werden sie durch unser Engagement unter den Flüchtlingen präsenter. Ich wünschte ich würde weniger mitbekommen. Wenn unser syrischer Freund sich Sorgen um seine Familie in Aleppo macht, kann ich aber nicht weg hören. Ich wünschte ich würde in den Medien nur die Klatsch und Tratsch Seiten lesen können. Welcher Hollywoodstar welches Outfit auf der Berlinale trägt, wann die schwedischen Prinzessinnen ihre Babys bekommen und welche Filme neu im Kino laufen. Aber da sind auch die anderen Nachrichten. Tausende Flüchtlinge, die vor der türkischen Grenze warten, mögliche Chemiewaffen bei der IS, versklavte Jesidinnen, Terroranschläge und und und….

Vielleicht sollte ich in dieser Fastenzeit, Nachrichten fasten. Wirklich. Dann wüsste ich weniger und hätte mehr Ruhe. Sollte ich dann auch den Kontakt zu den Flüchtlingen meiden, um ihre persönlichen Geschichten nicht zu erfahren? Irgendwie scheint mir das keine gute Lösung. Und vielleicht ist das kein Zufall, dass sich diese Gedanken in meinem Herzen breit machen. Vielleicht sind sie da um gehört und hinterfragt zu werden?

Ich will nicht, dass mir das Weltgeschehen Angst einjagt.  Mit meinen Fragen will ich nicht verzweifelt, pessimistisch und ängstlich durchs Leben gehen. Ja, sie sind da. Aber ich will auch ohne Antworten auf Gott vertrauen. Dieses Vertrauen darauf, dass Gott da ist, bewirkt in mir den Wunsch nach Aktion. Ich will engagiert und interessiert sein und mit meinem Segen die Welt da draußen segnen. Denn mit diesem Zugang kann ich als einzelne Person zu Hause und vor meiner Haustür Großes bewirken. Auch wenn es nur kleine Dinge sind, wie Behördengänge mit Asylanten, Spendenaktionen, weniger Müll Produktion, Deutschkurse etc. haben sie trotzdem großen Einfluss auf die lokale und die globale Gesellschaft.

Wie seht ihr das Ganze? Sind wir kleine Puzzleteilchen eines großen Bildes oder ist mein Zugang etwas naiv?

 

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23. Mein Herz ist voll

Gestern hatten wir eine unglaublich tolle und interessante Feier. Es kamen nach und nach um die 50 ausländischen Gäste und uns hat kaum das Essen gereicht. Voller Panik fuhr ich schnell nach Hause und plünderte unsere Süßigkeiten. Mein Mann lachte als er die Dinkel-Doppelkekse und die Bio-Zartbitterschokolade später auf den Tellern sah. Irgendwann verschwand mein Mann auch um noch zusätzlich Milch und Zucker zu besorgen. Der Abend war laut, chaotisch, herzergreifend und mega interessant. Wir hatten Gäste aus mindestens 10 verschiedenen Ländern. Mein Liebster brachte uns das Lied „So groß ist der Herr“ auf Englisch, Arabisch, Farsi, Französisch, Russisch und weiteren Sprachen bei. Damit berührte er die Herzen der Menschen und auch meins. Es ist unglaublich für mich zu sehen, wie sehr mein Mann die Menschen da draußen liebt.

 

Eigentlich wollte ich euch heute nur kurz ein paar Fotos von unserer Heiligabend- Tischdeko zeigen. Inhaltlich ist es auf dem ersten Blick ein großer Sprung aber auch das ist ein Thema womit ich mich beschäftige. Das Leben ist eben bunt, mein Herz ist voll und da gehören sowohl Flüchtlingshilfe, als auch Kreativität hinein. Passt wunderbar zusammen, oder?

 

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Also die Tischdeko wird schlicht und gleichzeitig festlich. Vor ein paar Tagen bin ich noch extra zu meinem Lieblings-secondhandladen gegangen und habe mir diese wunderschönen drei Kerzenständer aus Messing gekauft für je 1,50 Euro. Ich finde hohe Kerzenständer sorgen für eine festliche Atmosphäre.

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Dazu besorgte ich mir noch drei Bienenwachskerzen, die jetzt schon einen angenehm warmen Duft im Wohnzimmer verbreiten. Ich freu mich sehr sie morgen Abend im Kreis meiner kleinen Familie leuchten zu sehen. Zu den Kerzen kommen noch einige Eukalyptuszweige, die ich etwas wild auf die weiße Tischdecke verteile. Ich liebe diese Blätter und finde sie sehr besonders. Ich werde auch unsere Stoffservietten mit jeweils einem Eukalyptusblatt und einem Band verschönern.

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So, jetzt muss ich noch die Zeit nutzen ein Geschenk zu verpacken, während mein Liebster auf der Bandprobe ist :)

22. einfach & besonders: Unsere Weihnachtsfeier

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In ein paar Stunden findet unsere 2. internationale Weihnachtsfeier statt. Mit unseren lieben ausländischen Gästen werden wir die Geburt Jesu feiern. Für die meisten wird das die erste Weihnachtsfeier ihres Lebens sein.

Die Hilfsbereitschaft vieler freiwilliger Helfer ist überwältigend und so werden zahlreiche Kuchen gebacken, Tische und Stühle aufgestellt und Kaffee- und Teekannen vorbereitet.

Für uns als Familie findet heute Nachmittag Weihnachten statt. Ganz real und praktisch. Das Krippenspiel, der Tannenbaum, die Geschenke und das große Festessen werden fehlen aber Jesus wird da sein. Mitten unter uns. Irgendwo in einem Raum mit Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Ich bin mir da so sicher, weil es um ihn gehen wird. Denn ER ist der Grund warum wir Fremde lieben, ER ist der Grund warum wir unsere Komfortzone verlassen und ER ist der Grund warum wir Weihnachten bewusst erleben wollen.

Diese Weihnachtsfeier wird einfach, liebevoll, schlicht, mehrsprachig und wahrscheinlich etwas chaotisch. Aber genau das will ich, denn ich hab das Gefühl, dass Jesus hier gerne gefeiert wird.

20. Gänsehaut-Moment

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Wir haben uns an diesem Wochenende mit unseren zwei Großfamilien getroffen und Weihnachten gefeiert. Ich habe so viele Menschen gedrückt, Leckereien verschlungen, Lieder gesungen, stressige Momente gehabt und interessante Gespräche geführt. Nun bin ich richtig heiser, müde, glücklich und erschöpft.

Ein Ereignis von diesem Wochenende bleibt mir besonders hängen. Am Samstag sind wir irgendwann während der Feier mit den Verwandten meines Mannes zu einem naheliegenden Asylheim gefahren. Mit leckeren Plätzchen im Gepäck, standen wir umringt von unzähligen Flüchtlingen und sangen aus lauter Kehle. Mein Mann begleitete uns mit der Gitarre und stimmte Lieder an, wie „How great is our God, sing with me how great is our God…“. Das war ein Gänsehaut-Moment für viele unserer Verwandten und wer weiß vielleicht auch für die Bewohner.

Ist das nicht toll, wenn an Weihnachten nicht immer nur das Körpergewicht steigt, sondern die Anzahl von unglaublich wertvollen Erfahrungen? Wenn diese Festtage dazu dienen, dass die Perspektive geschärft wird und der Grund von Weihnachten ganz neu erfahren wird?

Ich wünsche Euch allen einen schönen und besinnlichen 4. Advent!

 

Weihnachten bewusst feiern

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Ihr Lieben!

Es sieht sehr festlich bei uns zu hause aus.

Wir haben heute lauter Tannenzweige, Mistelzweige und Lichterketten angebracht. Der Duft von Orangen, Zimt und Tannengrün dürchströmt das Haus. Und die leckeren Lebkuchen liegen in der Plätzchen-Dose zum Naschen bereit.

Es war ein schöner und voller Tag. Gemeinsam mit meiner Schwägerin, meinem Mann und den Kindern haben wir dekoriert, gespielt, gegessen, gebacken und geputzt. Der 1. Advent kann kommen. Dadurch, dass ich so viel Hilfe hatte, war das Stresspotenzial Gott sei Dank sehr niedrig.

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Mein Mann und ich möchten dieses Jahr die Adventszeit ganz ruhig angehen. Vielleicht wird es nicht immer klappen aber es ist unser Herzensanliegen. Ganz bewusst wollen wir darauf achten nicht in die Geschäftigkeit und Hektik dieser besonderen Jahreszeit zu verfallen. Denn wie schade ist es doch, wenn man in dem ganzen gut gemeinten Verantstaltungs- und Konsumrausch die wahre Bedeutung von Weihnachten übertönt. Es wäre doch viel zu schade, wenn wir so aktiv und beschäftigt sind, dass wir uns kaum Zeit für Jesus nehmen.

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Wenn meine Freunde an meinem Geburtstag eine tolle Party für mich organisieren würden, die tollste Musik spielen würden, eine wahnsinns-Deko gestalten würden aber aufgrund ihres Engagements keine Zeit für mich hätten, dann wäre ich doch sehr enttäuscht. Anstatt mit ihnen zu quatschen, zu lachen und zu essen, wäre ich dann wie ein einsamer Zuschauer im Theater.

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Wisst ihr, ich möchte auch gerne eine tolle Deko machen, lecker kochen und backen und eine wunderschöne Atmospähre zu hause schaffen. Aber ich will so gerne bei all dem den Fokus nicht verlieren. Denn es geht doch an Weihnachten um Jesus und nicht um das unglaubliche Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels.   P1180675

Deswegen will ich immer wieder innehalten, beten und reflektieren. Es soll um Jesus gehen und darum, wie er sich eine Geburtstagsfeier wünscht. Das Problem dabei ist, dass es dann aber etwas, sagen wir einmal unkoventioneller zu gehen könnte.

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Ich kenne Jesus jetzt schon ein paar Jahre und wenn ich die Bibel richtig verstehe, schätze ich ihn so ein, dass er an seinem Geburtstag das Festessen mit den Armen teilen würde. So wie ich ihn kenne, würde er mit Menschen feiern, die auf keiner Gästeliste stehen. Daher würde er raus gehen, sie suchen und sie einladen. P1180682

puhhh… klingt doch etwa zu krass und radikal. Ob ich das wirklich will? Eigentlich schätze ich die schönen Feierlichkeiten mit meinen Lieben und tollem Essen sehr. Hin und wieder gibt es Programm und ein paar klassische Weihnachtslieder werden angestimmt. Ob es vielleicht möglich wird, ein bisschen aus der „sicheren“ und gewohnten Zone hinaus zu treten?

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Wie auch letztes Jahr werden wir eine Weihnachtsfeier mit unseren Asylanten feiern. Wir laden sie ein, werden mit ihnen essen und Gemeinschaft haben. Mein Mann wird mit seiner Gitarre ein paar Lieder spielen und wir werden kleine Geschenke verteilen.  Letztes Jahr waren so viele Gäste da, dass der Raum aus allen Nähten platzte.

Dieses Jahr werden wir nur die Bewohner aus dem Heim in unserem Dorf einladen. Dadurch wird es etwas überschaubarer und persönlicher. Ich bin schon sehr gespannt wie es wird.P1180693

Eigentlich gibt es so viele Möglichkeiten Weihnachten bewusst zu feiern. Mit meiner Familie haben wir von ein paar Jahren eine Annonce in die Zeitung gesetzt, die interessanterweise auf der Titelseite gefdruckt wurde. Wir haben unsere Adresse angegeben, um Menschen an Weihnachten willkommen zu heißen, die nicht alleine feiern wollen. Meine Schwägerin hat so viele leckere Kekse für diesen Anlass gebacken. Leider hat keiner darauf reagiert.

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Vor zwei Jahren lag eine junge Frau, kaum älter als ich in der Adventszeit im Krankenhaus. Ihre Haare waren abrasiert und die Augen müde. Ich besuchte sie regelmäßig, obwohl wir eigentlich keine Freunde waren. Wir beteten zusammen und ich las ihr Psalme vor. Ihrer kleinen Tochter hatte ich einen Adventskalender geschenkt und gehofft auf diesem Wege etwas Freude zu verschenken. Drei Monate später hat Jesus ihre Mutter zu sich genommen.

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Ich finde es ist was ganz besonderes Weihnachten bewusst zu erleben. Es ist ein riesen Privileg Gottes Licht ein Stück weiter zu tragen und die Menschen um sich herum damit zu segnen. Die Möglichkeiten dabei sind sehr vielfältig.

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Welche Erfahrungen habt ihr bisher gemacht? Habt ihr ein paar Tipps wie man Weihnachten bewusster feiern kann?

Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen und besinnlichen 1. Advent!

Eure Lena